Auf steilen Wegen

Madeira gilt aufgrund seines bergigen Terrains und ganzjährig milden Klimas als Traumziel für Mountainbiker. Unsere Kollegin Katharina war vor Ort, um Touren in verschiedenen Levels zu testen.

Es ist der Gesang des Meeres, der sich an diesem Abend mit dem Rauschen des Windes vermischt. Durch die offenen Fenster dringt er in den runden Raum, in dem eine Handvoll Touristen und einige Einheimische tanzen – die einen mehr im Takt des Meeres, die anderen in jenem der Musik. An der kleinen Bar werden abwechselnd Poncha, ein madeirensischer Likör, und Bier über die Theke geschoben. Die Stimmung liegt irgendwo zwischen fröhlich und friedlich-ruhig, dieses eigentümliche Gemisch, was es nur im Ausland gibt. Das Zuhause ist weit weg, ich fühle mich gut. Irgendwann nehme ich meine Flipflops in die Hände und gehe ein paar Meter zum Meer. Die Wellen klatschen gegen schwarze Klippen, salzige Luft veredelt das Atmen. Madeira empfängt mich von seiner stürmischen Seite. Noch ist mir das Wetter egal. Ich bin heute Nachmittag angekommen, um in den folgenden sieben Tagen Mountainbike-Touren in verschiedenen Levels zu testen und nicht, um in der Sonne zu liegen.

„Heute wird Enduro gefahren“, gibt Albano, Bikeguide und Inhaber eines Touranbieters, am nächsten Morgen vor seiner Bikestation in Canico breit grinsend zu verstehen. Anders als an anderen Tagen blickt er heute nicht in fragende Gesichter. „Enduro“ bezeichnet eine Spielart des Mountainbikens in grobem Gelände, kurz: es wird spitzkurvig und steil. Nuno, unser Guide, hat bereits vor dem Einsteigen in den Kleinbus seine schlammverschmierten Knie- und Ellbogenschoner angelegt und deutet auf einer ausgeblichenen Karte an, wo wir hinfahren. „Wir“, das sind Anna und Jörg, ein junges Paar aus Bonn, Nuno und ich. Das Level der Tour besprach Albano am Vorabend mit uns. „Es besteht die Wahl zwischen gemütlichen Ausfahrten auf befestigten Wegen, knüppelharten Downhills und einem Haufen Touren mittleren Niveaus“, sagte er. Anna und Jörg sind wegen dem teils ruppigen Terrain hier. Aus gutem Grund wurden auf Madeira einige Werbevideos der großen Bikehersteller produziert. Ich bin prinzipiell für alles zu haben und lasse mich frohen Mutes auf die Pläne von den beiden ein. Durch terrassierte, von Eukalyptusbäumen gesäumte Hänge zockeln wir in einem Kleinbus den Berg hinauf. Hinter uns schlenkert der Fahrradanhänger bedrohlich im Wind. An den Fensterscheiben rollen dicke Regentropfen hinab, doch die Sicht bleibt uns nicht komplett verwehrt. Madeiras Topografie zeigt sich steil. Hier, im Osten der Insel, nahe Santo António da Serra, nimmt die Landschaft den Anschein an, als sei die Zeit stehen geblieben. Als vor etwa 12 Millionen Jahren ein untermeerischer Vulkan mehrere tausend Meter Lavagestein aus dem Ozean hob, entstand ein grünes Paradies inmitten des Atlantiks. Neben einem landschaftlichen Formenschatz, der in Geographie-Büchern mehrere Kapitel füllt, glänzt Madeira, die „Blumeninsel“, mit seiner artenreichen Fauna.

Schon im 16. Jahrhundert importierten portugiesische Seefahrer die ersten bis dahin fremden Pflanzen, weshalb der Mai aufgrund der reichen Blütenstände als beste Reisezeit zum Wandern gilt. Bereits bei der Ankunft am Flughafen wird einem Madeiras botanisches Markenzeichen, die Strelitzie, an allen Ecken zum Kauf angeboten. Ursprünglich in Südafrika beheimatet, fand die Unterart der Bananengewächse mit ihrer gefächerten Blüte in leuchtendem Orange und Blau ihren Weg auf die „Insel des ewigen Frühlings“, wie Madeira auch genannt wird, und auf die Kanaren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nuno kontrolliert ein zweites Mal die Scheibenbremsen an unseren vollgefederten Bikes, schließt seinen Helmgurt, klatscht in die Hände. „Vamos“, los geht’s, gibt er auf Portugiesisch zu verstehen. Ein handtuchbreiter Trail windet sich an der Hangkante einer steil abfallenden, vom Regen durchtränkten Wiese entlang. Windböen zerren an meiner Regenjacke. Von vorne klatscht mir der Regen ins Gesicht, von hinten Schlammspritzer. Es wäre gut, wenn man weiter als zehn Meter sehen könnte, denke ich noch kurz, bevor es in einer steilen Rechtskurve den Hang hinunter geht und zum Denken keine Zeit bleibt. Enduro funktioniert am einfachsten, wenn man seinen Kopf ausschaltet, den Gesetzen der Schwerkraft folgt und wenig bis gar nicht bremst. „Geschwindigkeit bringt Sicherheit“, sagt Anna, die das erste Viertel schon unten ist, als ich noch kurz darüber philosophiere, was jetzt eigentlich größer ist: die physische oder die psychische Herausforderung. Starkes Bremsen erhöht das Risiko, über den Lenker zu stürzen. Nach einem Dutzend Haarnadelkurven, in ca. dreißig Grad steilem Gelände, folgt ein flacher Abschnitt mit etwa kniehohen Bodenwellen. Nuno nimmt Fahrt auf und springt über die Hügel, als sei der Untergrund eine dicke Matte, die ihn nach einem Sturz auffängt. Vor drei Jahren brach er sich bei einem Unfall beim Paragliden drei Rückenwirbel. Das Abenteuergen trägt er weiterhin in sich. Mit seinen Panzerwaden und Adern an den Unterarmen, so dick wie die Hydraulikschläuche eines Kleinbaggers, sieht man ihm an, dass er zumindest tagsüber eher wenig Zeit zwischen vier Wänden verbringt. Sein Metier sind die wilden Weiten der Natur. Wenn er nicht gerade Touristen wie uns Madeiras beste Trails vorführt, baumelt er an Fallschirmen hängend über seine Heimatinsel oder versorgt die Outdoorsport-Industrie mit frischem Bildmaterial – neben seinem Job als Guide arbeitet er als Fotograf.

Dicke Nebelschwaden kriechen langsam nahe Ribeiro Frio aus den immergrünen Tälern hinauf und geben Blicke auf die Gipfel des Pico Areiro und des Pico Ruivo frei. Madeiras höchste Berge kratzen knapp an der Zweitausendergrenze. Pyroklastisches Gestein formt verschachtelte Landzüge, so würde es einen zwischen all den Zacken, Graten und steilen Hangsenken in Grün und Grau nicht wundern, wenn Herr der Ringes Sauron dort oben den Meisterring schmiedete. Als Nuno den Bus wieder in Canico an der Bikestation parkt, uns schlammüberzogen in die angenehmen Welten der sauberen Betten und Duschen entlässt und fragt, was ich die nächsten Tage fahren möchte, entscheide ich mich für die Sightseeing-Variante: Kreuz und quer auf dem Mountainbike über die Insel, viel Landschaft und am besten Wege, deren Beschaffenheit es zulässt, den Blick von ihnen abzuwenden. Nuno nickt: „Wir haben ja noch sechs Tage Zeit. Um aus dir eine Enduro-Meisterin zu machen.“ Ich fürchte, wir haben uns falsch verstanden.

>> Bei der Mountainbikereise auf Madeira hat man die Wahl zwischen Touren in verschiedenen Levels. Sie finden die Reise hier auf unserer Internetseite. Gerne beraten wir Sie telefonisch oder per Mail: Tel. 0761 – 556 559 29,  info@biketeam-radreisen.de

MTB-Tour auf Madeira

Die portugisische Insel Madeira hat uns in ihren Bann gezogen. Die Kombination aus Mittel- ja teilweise sogar Hochgebirgscharakter, Hochmooren, Klippen und Küsten lassen unser Radherz höher schlagen! Aus diesem Grund arbeiten wir bereits seit einigen Jahren mit einer auf Madeira angesiedelten Bikestation zusammen und bieten zu individuellen Reiseterminen Bikewochen auf Madeira an.

MTB Madeira1 MTB Madeira2 MTB Madeira3 MTB Madeira5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute möchte wir Euch die Crew vor Ort vorstellen und Euch einen BIKE-Tipp von Madeira-Kennern und Liebhabern verraten.

Biken, Wandern, Reisen  und die schönsten Trails, Landschaften und Reiseerlebnisse mit anderen Menschen teilen.

Albano und Cristela

 

 

 

 

 

Aus der Liebe zur Insel Madeira und der Leidenschaft für Aktiverlebnisse wurde 2010 die Bikestation gegründet. Dazu gehört das Aktiv Büro, die Bikestation, Transfers mit dem eigenen Minibus (9 Sitzer) und dem Ford Customer (9 Sitzer), individuellen Bike- und Wandertouren.

Zum Team der Bikestation gehören Cristela, Cindy, Hannelore, Erich, João, Fernando und Albano.

Team

 

 

 

 

 

SONY DSC

Albano wurde in Portugal geboren, ist aber im Süden von Deutschland aufgewachsen und spricht deshalb fließend Portugiesisch und Deutsch. Verzaubert von der natürlichen Schönheit von Madeira hat er im Jahr 2000 beschlossen, es zu meinem Zuhause zu machen.
Als lizenzierter Berg- und Wanderführer, kennt er jede Levada, jeden Trekkingpfad und Ponchabar.

 

SONY DSCCristela ist lizenzierte Wanderführerin und gibt ihre Begeisterung für das Wandern und die wunderschöne Insel an die Gäste weiter. An „wanderfreien“ Tagen arbeitet sie im Büro, beantworte Anrufe und Mails von unseren Gästen. Neben Portugiesisch spricht sie auch Französisch, Deutsch und Englisch.

 

 

ErichErich bikt seit 35 Jahren aktiv und hat mit dem  Rennrad die meisten Pässe Europas erobert. Auf Madeira hat er seine Vorliebe fürs Mountainbiken entdeckt. Im April 2015 machte er die Ausbildung zum Mountainguide und freut sich auf jeden einzelnen Bikegast, um ihm die Schönheit Madeiras auf den vielfältigen Touren näher zu bringen.

 

HanneHannelore lebt in Deutschland, aber seit einigen Jahren ist Madeira zu meiner zweiten Heimat geworden. So verbringt sie den Sommer in Deutschland und die Winterzeit auf Madeira. Sie liebt es, auf Madeira zu biken und zu wandern, die Insel zu entdecken, im Atlantik zu schwimmen und natürlich die vielseitige madeirensische Küche mit viel Fisch und Fleisch.

 

ThomasThomas ist im Ostalbkreis in Süddeutschland geboren und aufgewachsen. Als lizenzierter Berg- und Wanderführer kann er alles zeigen und erzählen, was er in all diesen Jahren auf Madeira entdeckt hat, auch auf Englisch, Portugiesisch oder Französisch. In seiner Freizeit ist er darüber hinaus als Hobbyfotograf unterwegs, auf alten vergessenen Pfaden und Levadas, die heute kaum noch bekannt sind.

 


UNSER BIKE-TIPP AUF MADEIRA

Paul da Serra – Ribeira da Janela – Porto Moniz
⌚ ca. 4 Std.
⟷ ca. 37,6 km
↑ca. 605 hm
↓ca. 1738 hm

Biketour Paul da Serra jpgDie Tour beginnt auf der Paul da Serra, dem einzigen Hochplateau Madeiras. Hier haben wir fantastische Aussichten ins Tal von Ribeira Brava und Sao Vicente und zum Zentralmassiv. Wir biken unter Lorbeerbäumen, die mehrere hundert Jahre alt sind. Dann folgt die Abfahrt nach Ribeira da Janela, wo uns der Minibus erwartet und uns nach Porto Moniz bringt. Nach einer tollen Biketour folgt nun die Erfrischung in den Naturschwimmbecken von Porto Moniz . Es lohnt sich Badesachen mitzunehmen.


Habt Ihr auch Lust Madeira mit dem MTB zu entdecken? Dann ist unsere MTB-Woche genau das richtige für Euch. Alle Details zur Reise findet Ihr unter:

Madeira – MTB-Woche >>

Wir beraten Euch gerne auch persönlich unter Tel. 0761 / 556 559-29 oder per Mail info@biketeam-radreisen.de.